New Business bizarr

Neulich bei einem New Business Termin. Ein typischer deutscher Mittelständler. Inhaber geführtes Untenehmen. Klang am Telefon recht interessiert, insbesondere das Thema Online Marketing sei ihm wichtig.

Also – Termin für Agenturvorstellung vereinbart. Rein ins Auto und 300 km runtergerissen. Einfache Strecke, versteht sich.

Dort angekommen dann erst mal warten auf den Chef. Er kommt mit Verspätung. Älteres Semester, seit 30 Jahren führt er das Unternehmen, das in dieser Zeit ohne Zweifel eine stattliche Größe erreicht hat. So weit noch alles gut. Dann beginnt es, seltsam zu werden. Wir gehen in sein Büro. Kein Meeting-Raum, kein Besprechungszimmer, nur sein Büro. Ein Mitarbeiter, ca. Mitte 20, stößt hinzu. Der Chef zündet sich eine riesige Zigarre an. Ich traue meinen Augen nicht – und baue – noch amüsiert über diese Klischee-behaftete Attitüde – meinen Laptop mit Beamer auf. Standard. Schon oft gemacht. Er jedoch sagt ungeduldig: das hasse er, das müsste doch auch ohne die ganze Technik zu machen sein. Ich denke: wie jetzt? Soll ich ihm meine mitgebrachten Arbeitsbeispiele mündlich beschreiben?

Nun gut – der Beamer läuft, ich erläutere die diversen Aspekte des Online-Marketings, unsere Arbeitsweie, die Vorteile von Email-Marketing und den Nutzen von Online-Medien im Allgemeinen – und dann schläft er ein — er schläft tatsächlich. Ich wende mich iriitiert seinem Mitarbeiter zu, der mich, um abzulenken rasch etwas fragt. Nach gut 4 – 5 Minuten wacht der Chef wieder auf, weil das Telefon klingelt. Er geht ran – und wird dies noch weitere 6 bis 7 mal während meines Vortrags tun. Einmal verlässt er sogar das Büro, um etwas zu klären. Spätestens jetzt beginne ich mich innerlich zu ärgern – bleibe äußerlich aber gelassen. Mir wird klar, dass er von dem was ich über Online-Marekting sage, nichts, aber auch gar nichts versteht, als er mir seine Kommunikationswunderwaffe zeigt, die er schon seit 20 Jahren einsetzt und die mit Sicheheit alle Informationsbedürfnisse des Marktes bedient: die 6-seitige Kundenzeitschrift.

OK – also wieder rein ins Auto und den Tag abgehakt.

Fazit: eine Lehrstunde zum Thema Verständnis im deutschen Mittelstand für die sich ändernde Kommunikationslandschaft. Und zum Thema Anstand und Respekt. Aber ich wollte eh keinen Kaffee. Danke.

Nägel im Kopf: ADC Gipfel 2010 in Frankfurt

ADC Gipfel 2010 in Frankfurt.

Gestern war Chaos. Der ADC hat sich von seiner kreativen Seite gezeigt und die Veranstaltungen in DREI verschiedene Locations “organisiert”. Das hieß für uns, ständig zwischen den zumeist einstündigen Vorträgen zu switchen – mal zu Fuß – mal per Taxi. Sinnigerweise war zwischen den Vorträgen keine Pause. Ich kann also über den Anfang der freitags von mir besuchten Events nichts sagen. Ganz abgesehen davon, dass zwei der Locations (Green Towers der Deutschen Bank und Museum für angewandte Kunst) Baustellen waren und die Vorträge inmitten fröhlich werkelnder Bauarbeiter gehalten wurden ( … weird).

Zwei Vorträge vom Freitag hatten was. Zum einen der von Andy Berndt – Vice President Creative Labs von Google – mit Gedanken und Beispielen zum Internet als der größten Bühne der Welt. Zum anderen der von Christian Labonte – Leiter Designstrategie und Kommunikation bei AUDI- der mit 21 Gramm Audi Design höchst interessante und beeindruckende Einblicke in die Designarbeit der Ingolstädter Autoschmiede gewährte.

Heute – Samstag – ist die Zukunft angesagt. Im Futur-Kongress. Und heute findet die in der Messe Frankfurt statt und nur hier (danke!). Das macht das Zuhören leichter. Und zu hören gab es schon allerhand – besonders von Sascha Lobo. Der ging erst mal mit der ganzen versammelten Kreativ-Mischpoke hart ins Gericht. Wegen 46 Tweets. Mehr waren es nicht zum Thema ADC Gipfel. Hmmm. Irgendwie hate er Recht, wenn er uns in sehr eingängiger Sprache (Do Twitter You F*****s) sagt, dass der Kreativ-Nachwuchs was falsch macht, wenn er die neuen, wichtigen, richtigen Medien missachtet und noch immer in Plakaten und Anzeigen denkt. Ich fass’ mir da auch mal an die eigene Twitter-Nase. Aber immerhin bin ich schon 45 und tue jetzt und hier wenigstens das, was die Youngsters alle scheinbar nicht tun: bloggen.

Und Florian Schmitt – Inhaber Designstudio HighReS in London – war gut. Sogar sehr gut. Und symphatisch. Er hat uns gezeigt, was möglich ist, wenn man A) es einfach macht -  und B) es machen darf. Und ganz im Sinne von Sascha Lobo auch das Risiko eingeht, mal auf die Schnauze zu fallen: Seid pathetisch, dann scheitert man geiler.

Internet World Kongress 2010

Als Online-Berater sind wir ja immer wieder auf den interessanten Branchen-Events zu Gast und hören bzw. sehen uns die vielen und vielversprechenden Vorträge zu den aktuellen Themen im Online-Business an. So auch dieses Jahr zum Internet World Kongress, der hier in München stattfindet.

Die Themen sind – wie auch auf anderen Veranstaltungen dieser Art – stark geprägt durch das Thema Social Media. Nahezu alles, was hier zu sehen und zu hören ist, ist mehr oder weniger durchsetzt mit diesem Topic.

Aber zunächst mal was zum Thema Frust: die Check-In-Prozedur war eine Zumutung. Ich kam rechtzeitig und ausgeschlafen am ICM an und musste mich zunächst mal in eine gefühlte 3 km lange Schlange einreihen, um für die Anmelde-Prozedur zu warten. Die Schlange wurde leider nur SEHR langsam kürzer und so dauerte es lang – SEHR lang – bis ich mein Kongress-Batch umhängen konnte.
Folge dieser Warterei war dann, dass die Keynote-Reden längst begonnen hatten und zudem der Saal 5 komplett überfüllt war. Es gab keine Plätze mehr und viele verärgerte Besucher verbrachten die Zeit dann vor dem Saal anstatt drinnen.

Die Vorträge

Die Themen-Organisation war gut gelöst. Alle Vorträge fanden auf einer Ebene statt, die Räume waren leicht zu finden.

Die Qualität der Vorträge war mit Ausnahme weniger Ausrutscher durchweg gut. Besonders hervorheben möchte ich Emotional Shopping mit Magento von Philipp von Criegern (Maris Consulting), Personalisiertes Re-Targeting von Robert Lang (criteo SA), In-Video-Shopping von Sebastian Timm (CAVI GmbH). Und ebenfalls den recht eigenwilligen, aber interessanten Vortrag Marketing 2020: Vermarkter, Werbedruck, Multichannel – wie haben die denn damals bloß verkauft? von Prof. Dr. Klemens Skibicki (Brain Injection) zum Thema, wie wird das Internet in 10 Jahren aussehen?

Fazit: inhaltlich gut, organisatorisch weniger gut (WLAN hat auch nie funktioniert). Mal sehen, wie’s nächstes Jahr wird.

Wie Unternehmen Social Media nutzen

Interessante Erkenntnisse zur Nutzung von Social Media in Unternehmen hat Michael A. Stelzner in einem Whitepaper zusammen gestellt. Nach einer Online-Befragung von 880 Teilnehmern (Selbständige Unternehmer sowie Angestellte in USA) wie Social Media genutzt wird, um das Business zu promoten, ergab sich folgendes Bild:

  • Die drei Top-Fragen der Marketeers:
    • Welche Taktik ist die beste für Social Media?
    • Wie misst man die Effektivität von Social Media?
    • Womit beginnt man idealerweise?
  • Die meisten sind Neu-Einsteiger:
    Die meisten der Befragten gaben an (88%), Social Media für das Marketing zu nutzen. Jedoch 77% erst seit kurzer Zeit.
  • Wieviel Zeit wird investiert?
    64% investieren >5 Stunden pro Woche, 39% sogar >10 Stunden pro Woche.
  • Der größte Nutzen von Social Media Marketing:
    An erster Stelle steht die Steigerung der Sichtbarkeit, sagen 81% der Befragten. Danach folgen Steigerung des Traffics auf der Website und die Knüpfung neuer Business-Kontakte.
  • Die meist genutzten Tools:
    Twitter, Blogs, LinkedIn und Facebook.
  • An welche Social Media Tools besteht das größte Interesse?
    An erster Stelle stehen Social Bookmarking Sites direkt gefolgt von Twitter.

Tool zur deutschen Social Media Landschaft

Ein interessantes Tool stellt die PR-Agentur Inpromo zur Verfügung. Mit dem SocialMediaPlanner (www.socialmediaplanner.de) lässt sich die Landschaft der deutschen Social-Media-Szene darstellen. Konkret: welche Zielgruppen nutzen welche Social-Media-Plattformen.

Unser Urteil: nützlich!

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